Zur Behandlung seelischer Störungen werden seit der Antike und in allen Kulturen psychisch wirksame Substanzen eingesetzt. Medizingeschichtlich kann die moderne Psychopharmakotherapie als Resultat naturwissenschaftlichen Denkens seit dem 19. Jahrhundert verstanden werden.

Die inzwischen enorme praktische Bedeutung der Psychopharmakotherapie wird vor allem daran deutlich, dass Medikamente zur Behandlung psychischer Störungen gegenwärtig (unter Hinzuzählung der Schlaf- und Beruhigungsmittel) den zweiten Platz in der Verordnungshäufigkeit einnehmen 1 . Insbesondere für Antidepressiva ist eine steigende Tendenz zu beobachten.

Dieser breiten Anwendung von Psychopharmaka im klinischen Alltag steht häufig eine zurückhaltende bis ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit gegenüber. Mit der Einnahme von Psychopharmaka werden nicht selten eine Beeinträchtigung der Individualität, eine Angst vor Abhängigkeit oder unerwünschte Nebenwirkungen verbunden. Im Gegensatz dazu können auch überhöhte Erwartungen an die Wirksamkeit eines Medikaments bestehen. Der tatsächliche Nutzen bzw. die möglichen Probleme bei der Psychopharmakotherapie werden meist zu wenig erläutert.

Daher verfolgen wir das Ziel, den Patienten unserer Klinik eine rationale Haltung zur Anwendung der meist erfolgversprechenden psychopharmakologischen Therapie zu vermitteln. Es ist uns wichtig, dass die Entscheidung zum Einsatz eines Medikamentes in offener Abwägung zwischen Arzt und Patient erfolgt. Sollte die psychische Störung eine Psychopharmakotherapie mit z. B. Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antipsychotika oder Antidementiva erforderlich machen, werden die Patienten so weit wie möglich über den individuellen Nutzen und die Risiken der medikamentösen Therapie informiert. Auf diese Weise wird die ärztliche Empfehlung zur Anwendung einer Medikation für den Patienten transparent und nachvollziehbar.

1 Schwabe U, Pfaffrath D (2001) Arzneiverordnungsreport 2000. Springer, Berlin Heidelberg New York