Patienten auf der Intensivstation ...

  • Vitalfunktionen werden mit Hilfe vieler technischer Geräte überwacht bzw. unterstützt
  • Sedierung, Beatmuing, Bewußtseinstrübung
  • Die Fähigkeit Anpassungsbewegungen durchzuführen ist eingeschränkt.

Wir möchten mit der Anwendung der Kinaesthetics-Konzepte den  Patienten zu mehr Eigenbewegung verhelfen und zur Gesundheitsentwicklung von Mitarbeitern und zu Pflegenden beitragen.

Was ist Kinaesthetics?

Der Begriff Kinaesthetics kann mit „Kunst/ Wissenschaft der Bewegungswahrnehmung“ übersetzt werden. Der Begriff leitet sich ab aus den Worten:

  • Kinesis = Lehre von der Bewegung
  • Aesthesia = durch Sinne wahrgenommen
  • Kinästhetik = Bewegungswahrnehmung

Welche Inhalte bietet Kinaesthetics?

Kinaesthetics schult Menschen darin, sensibel für die eigene alltägliche Bewegung zu werden. Das Selbstverständliche verstehen und lernen, wie man gezielt einen Menschen dabei unterstützen und begleiten kann.
Wie drehe ich mich selbst? Was tue ich mit Armen und Beinen, wenn ich mich drehe?
Fragen, die im Alltag keine Rolle spielen. Dann aber, wenn man einem anderen helfen möchte.

Welche Wirkung hat Kinaesthetics?

Bewegung ist eine Grundlage des Lebens. Die Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung und die Entwicklung der Bewegungskompetenz können bei Menschen jeden Alters einen nachhaltigen Beitrag zur Gesundheits-, Entwicklungs- und Lernförderung leisten.
In der Intensivpflege ist die Interaktion über Berührung und Bewegung ein wichtiges Mittel, um mit dem Patienten in Kontakt zu treten und Informationen über Bewegungsabläufe/Bewegungsmuster zu erfahren bzw. erfahrbar zu machen.
Kinaesthetics kann helfen, neue Bewegungsmöglichkeiten in verschiedenen Situationen zu entdecken. Gestaltet man Pflegeinterventionen als Interaktionen auf der Grundlage von Kinaesthetics, führt dies nicht nur zu Fortschritten bei den pflegebedürftigen Menschen, sondern trägt auch zur Gesundheitsentwicklung der pflegenden Personen bei.

Ziele

Die Patienten werden so unterstützt, dass sie:

  • die Kontrolle über ihre Bewegung haben
  • die Möglichkeiten haben, ihre Bewegungsfähigkeit zu erkennen und einzubringen
  • Spannung in ihrem Körper auf - und abbauen können

Angehörige werden mit eingebunden und angeleitet.

Bewegungsbeispiele sind:

  • kopfwärts gehen im Bett
  • Positionsveränderungen (Seiten-, Rücken-, Bauchlage)
  • Mikrobewegungen (der gesunde Mensch bewegt sich im Schlaf bis zu 40 mal)
  • Transfer an die Bettkante, in den Sessel

Die Hilfeleistung sollte immer an die aktuelle Möglichkeit des Patienten angepasst werden.

Methodik

In Kursen und Workshops wird mit folgenden Lernschritten gearbeitet

  • anhand der eigenen Körpererfahrung die jeweiligen Inhalte erarbeiten
  • Bewegungsanleitung an und mit gesunden Menschen in Partnerarbeit üben
  • praktische Anwendungen aus Ihrem Arbeitsfeld mit Patienten am Pflegebett erarbeiten

...und dabei erfolgt:

  • Entwicklung der differenzierten und bewussten Wahrnehmung der eigenen Bewegung
  • Entwicklung der eigenen Bewegungskompetenz in der Interaktion mit intensivpflichtigen Patienten
  • differenzierte Auseinandersetzung mit den Kinaesthetics-Konzepten


„High Tech braucht einen Gegenpart – und der Gegenpart von High Tech ist High Touch –
Menschen, die zum wechselseitigen Wohl mit einer hohen Bewegungskompetenz miteinander in Kontakt treten.“
Stefan Knobel – Vortrag: Bewegungskompetenz schafft Lebensqualität - Home Care Forum - Belgrad 04. – 06. Juni 2008


Kinaesthetics Qualifikation auf der Intensivstation 3A:
Alle Mitarbeiter besuchten oder besuchen einen Grundkurs. Ein Teil hat die Qualifikation Aufbaukurserworben. Es gibt eine Peer Tutorin und eine Trainerin Stufe 1 erworben.