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Im Zentral-OP kommt neuestes Roboter-System zum Einsatz

10.10.2016 16:45 Uhr

Klinikum Ludwigsburg: Als anerkanntes Zentrum für laparoskopische Techniken führend

“Da Vinci” – so lautet der kunstvolle Name des roboter-assistierten Chirurgiesystems eines führenden amerikanischen Herstellers. Das neueste Modell ist seit Anfang Juni im Zentral-OP des Klinikums Ludwigsburg im Einsatz. Es unterstützt fortan die Chirurgen der Urologie, Gynäkologie sowie der Allgemeinchirurgie bei minimal-invasiven Eingriffen unterschiedlichster Art. Vor allem im Bereich der radikalen Prostatektomie ist diese zukunftsweisende Operationstechnik bereits vielen Patienten ein Begriff.

 

Die Ludwigsburger Klinik für Urologie hat die Laparoskopie, auch Schlüssellochtechnik oder minimalinvasive Operationstechnik genannt, als Standardverfahren etabliert. Seit 2008 gilt Ludwigsburg als eines der führenden Zentren für laparoskopische Techniken im Süddeutschen Raum. Insbesondere die Klinik für Urologie ist seit 2009 Ausbildungszentrum für laparoskopische OP-Techniken. Ärzte aus dem gesamten Bundesgebiet werden hier ausgebildet.

 

Der Operationssaal im Zentral-OP des Ludwigsburger Klinikums mutet an diesem Tag futuristisch an. Drei neue Geräte dominieren den Raum. An der Wand steht ein überdimensionaler Prozessor, direkt am Operationstisch ist ein Roboter mit vier Armen platziert, an deren Enden winzige Instrumente befestigt sind. Umringt von seinem Operationsteam sitzt der Chefarzt der Urologie, PD Dr. Andreas Jurczok, vor einem dritten Gerät, der Konsole, das Gesicht dicht am Monitor, der ihm ein vergrößertes 3D-Bild des Operationsfeldes bietet. Beide Hände umschließen die Joysticks, mit denen der Operateur die Arme des Roboters steuert. Mit den Füßen werden Stromzufuhr und Kamera aktiviert. Mit Unterstützung seines Kollegen Professor Dr. Jens-Uwe Stolzenburg, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig entfernt PD Dr. Andreas Jurczok erstmals mit Hilfe des neuartigen robotergestützten Operationssystems komplett die krebsbefallene Prostata eines Patienten und schafft eine neue Verbindung von der Harnröhre zur Blase. „In sieben Freiheitsgraden kann ich in Echtzeit die Instrumente mit meinen Handbewegungen millimetergenau steuern”, zeigt sich der erfahrene Ludwigsburger Chirurg fasziniert. Das Heft gebe der Operateur dabei nie aus der Hand, ergänzt der Chefarzt der Urologie, denn der Operationsroboter könne nicht programmiert werden und somit keine eigenständigen Bewegungen ausführen. „Ein weiterer großer Vorteil ist die bis zu zehnfache Vergrößerung des 3D-Kamerasystems, die kleinste Strukturen der Nerven und Gefäße genau darstellen kann.” Aus Sicht des Patienten bleiben die wesentlichen Vorteile der minimal-invasiven Chirurgie, wie kleinere Schnittwunden, geringere Blutverluste und schnellere Wundheilungen, bestehen und werden gegebenenfalls zusätzlich verstärkt. Insgesamt betrachtet ermöglicht das roboter-assistierte Chirurgiesystem eine noch größere Präzision und damit eine Optimierung des Operationsverlaufs.

 

2,2 Millionen Euro betragen die Anschaffungskosten dieser neuartigen Technik. Noch dazu waren technische Anpassungen im Zentral-OP sowie weitere vorbereitende Maßnahmen im Vorfeld notwendig. Das Gerät stellt damit die größte Investition des Klinikums in ein einzelnes medizin-technisches Gerät dar. Die kostenaufwändige Innovation wird jedoch fachübergreifend genutzt. Neben der Urologie profitieren ebenso die Chirurgen der Gynäkologie und der Allgemein- und Viszeralchirurgie von dieser Zukunftstechnologie. Damit gehört die Klinik für Viszeralchirurgie zu den wenigen chirurgischen Fachabteilungen die dieses neue System regelmäßig einsetzen. Insbesondere bei Tumorerkrankungen des Verdauungssystems profitiert der Operateur und der Patient von der hochauflösenden Kameratechnik mit einer immensen Vergrößerung, welche nicht nur perfekte Bilder liefert, sondern dementsprechend auch eine präzise, nahezu mikroskopisch exakte Operationsweise ermöglicht. Außerdem wird das neue System im Rahmen der Beckenbodenchirurgie eingesetzt. In diesem Zusammenhang besteht insbesondere in Ludwigsburg ohnehin eine feste und lang etablierte interdisziplinäre Zusammenarbeit, die nun auch am neuen System durch gemeinsame Operationen von Chirurgen und Gynäkologen neue Möglichkeiten eröffnet.

 

Neben der Beckenbodenchirurgie wird der „Da Vinci“ in der Frauenklinik auch für die Entfernung der Gebärmutter bei gutartigen Erkrankungen genutzt. Der Hauptvorteil der Gewebe- und Nervenschonenden Operationsmöglichkeiten zeigt sich allerdings bei der Tumorchirurgie von Gebärmutter-, Gebärmutterhals- oder Eierstockkarzinomen. Hier zeigen großen Untersuchungen, dass die Komplikationsraten bei diesen ausgedehnten Eingriffen durch den Einsatz des robotergestützten Operationssystems signifikant gesenkt werden können.

 

Trainiert haben die Ludwigsburger Chirurgen und deren OP-Teams am Simulator und im Trainingszentrum des Herstellers in Straßburg. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass viele Patienten dem innovativen Ruf des Ludwigsburger Klinikums folgen. Mit steigenden Patientenzahlen ist daher weiterhin zu rechnen. Vor allem im Fachbereich der Urologie wird der DaVinci-Roboter regelmäßig zum Einsatz kommen. Mit jährlich 2.500 Eingriffen und der ambulanten Versorgung von 2.200 Patienten sowie der stationären Behandlung von 3.440 Patienten zählt die Fachklinik in Ludwigsburg zu einer der größten Urologien in Deutschland. Für den steten Zuwachs an Patienten reichten die räumlichen Kapazitäten im OP-Bereich und in der Ambulanz nicht mehr aus, erklärt PD Dr. Andreas Jurczok. „Aus diesem Grund erfolgt ab dem Sommer bei laufendem Betrieb der komplette Umbau der Ambulanz.”

 



Pressesprecher

Alexander Tsongas
Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation und Marketing
Posilipostraße 4
71640 Ludwigsburg

E-Mail: alexander.tsongas(at)verbund-rkh.de